Das „Zugpferd“ in der Brunngasse

Das „Zugpferd“ in der Brunngasse

Der Drogeriemarkt Müller ist seit einem Jahr Frequenzbringer
in der Fußgängerzone. Filialleiter Martin Weixlbraun hofft, dass
ein besseres Stadt-Image neue Kunden bringt.

Müller ist sofort aufgefallen. „Besonders viele insBesondere-Innenstadt Einkaufsgutscheine sind im vergangenen Jahr in der großen Drogerie in der Brunngasse eingelöst worden“, sieht St. Pölten-Marketing-Geschäftsführer Matthias Weiländer seine Erwartungen an den 3.000-Quadratmeter- Shop erfüllt. Seit rund einem Jahr soll Müller Frequenz in die Brunngasse und damit in die Innenstadt bringen, im Zusammenspiel mit dem erweiterten und modernisierten EKZ City Shopping Promenade. Dessen Center-Managerin Martina Bauer ist zufrieden, dass das innerstädtische Einkaufszentrum durch den Umbau und neue attraktive Shops wie Fussl und Deichmann an Kunden gewonnen hat, vor allem aber auch durch den zugkräftigen H & M-Shop. Überhaupt sei die Brunngasse optisch viel attraktiver geworden. „Das lockt die Leute an“, weiß Martina Bauer, und: „Der Müller zieht.“

Für das „Zugpferd“ ist die Entwicklung im Großen und Ganzen positiv. Aber: „Wir sind noch nicht ganz dort, wo wir hinwollen“, sagt Müller-Filialleiter Martin Weixlbraun, „da gibt es noch viel Potenzial nach oben.“ Das Weihnachtsgeschäft 2015 hätte einen Super-Umsatz gebracht – „Da sind alle schauen gekommen“ -, Weihnachten 2016 sei aber abgefallen: „Onlinehandel und Mitbewerber schlafen nicht.“

Deshalb wünscht sich Weixlbraun, der mit 40 Mitarbeiterinnen eine Zielgruppe vom Baby bis zum Greis bedient und in seinem Shop für ein angenehmes Einkaufserlebnis sorgt, dass sich die Kunden in der ganzen Innenstadt wohlfühlen. Mit noch attraktiveren Läden, keinen Ramsch-Geschäften, nahen Parkplätzen oder originellen Transportmöglichkeiten für die Bequemlichkeit, mehr Gastro-Angebot am Sonntag, „damit die Menschen zum Schaufenster-Bummeln verleitet werden.“ Der Müller-Filialleiter ist überzeugt, dass für eine steigende Frequenz und für neue Kunden vor allem das Image der „Einkaufsstadt St. Pölten“ verbessert werden müsste: „Das hat sich zwar entwickelt, viele Leute denken bei ‚Shopping’ aber immer noch nicht an St. Pölten. Dafür sollte man schon noch mehr Werbung machen.“

 

DIE BRUNNGASSEN-WERDUNG

April 2007: Heftiger Disput im Gemeinderat, ob die nördliche Kremser Gasse und die Brunngasse zur Fußgängerzone werden. Der eine Stadtrat sieht ein Verkehrschaos auf die Stadt zurollen, der andere Gemeinderat begräbt alle Handels-Hoffnungen: „Damit ist die Innenstadt tot.“

Juli 2008: Eine Politikerin ist überzeugt, dass sich der Shopping-Rundweg über die Kremser Gasse, Brunngasse und Franziskanergasse zur Top-Lage entwickeln wird. Ein Stadtrat will dort weiterhin Parkplatz suchen.

Mai 2010: 750.000 Euro für die FuZo-Erweiterung werden beschlossen.

August 2013: Eine von der Marketing St. Pölten in Auftrag gegebene Handelsstudie belegt, dass die Stadt nur mehr rund 10.000 Quadratmeter an neuen Handelsflächen vertragen könne.

Bester Standort: Die Innenstadt.
Beste Variante: 5.000 Quadratmeter Neubau in der Brunngasse plus partielle Vergrößerungen der Handelsflächen.

Februar 2014: Die City Shopping Promenade beginnt mit dem Umbau. 4,5 Millionen Euro werden in die Modernisierung des Innenstadt-EKZ investiert. Im Oktober ziehen bereits neue Shops ein.

April 2014: Bahn frei für ein neues Handelsprojekt. Die Eberhardt-Privatstiftung verwertet die Liegenschaft zwischen Brunngasse und Franziskanergasse. Im Neubau sind 3.000 Quadratmeter Handelsflächen für die Drogeriekette Müller und 19 Wohnungen geplant.

Bauzeit: Eineinhalb Jahre.
Investition: 14 Millionen Euro.

Oktober 2015: Alle Wohnungen sind vermietet. Einer der größten Müller-Märkte Österreichs eröffnet.