Generalverkehrskonzept für St. Pölten

Generalverkehrskonzept für St. Pölten

„Verkehr umlagern“ heißt die Devise, damit das Wachstum für die Stadt nicht zur Walze wird. Dafür braucht es Durchzugsstraßen, damit auf anderen Straßen mehr Bus & Radl möglich wird. 2016 hat das neue Generalverkehrskonzept für St. Pölten gleich einmal an Fahrt gewonnen.

Zukunftsmusik? Fast schon perplex reagierten einige auf die Präsentation des aktualisierten Generalverkehrskonzeptes vor zweieinhalb Jahren. Baudirektor Kurt Rameis nahm es als Bestätigung: „Wer bei einer Planung, die über 2030 hinausreicht, seiner Zeit nicht voraus ist, der wird von ihr überholt.“ Keineswegs ein leichtes Pflaster sei der Verkehrsstandort St. Pölten, sekundiert Stadtentwickler Jens de Buck, der seine planerische Feuerprobe vor vielen Jahren in der 2 Flüsse-Stadt Steyr zu bestehen hatte: Kilometerlang durch die Stadt laufende Barrieren wie die Traisen, die Leobersdorfer Bahn entlang der Mariazeller Straße oder die A1 stellen Planer vor Herausforderungen.

Herausforderungen, die der Quadratur des Kreises nahe kommen: Bis die Stadt über 60.000 Hauptwohnsitze hat, bis NOE CENTRAL im Süden es unter die größten Gewerbegebiete des Bundeslandes geschafft hat, ist es nur ein Frage der Zeit. Wie entwickelt man den Expansionsstandort St. Pölten, ohne den Lebensstandort St. Pölten mit Verkehr und Teer zu fluten?

Innen Stadt, außen Fahrt

Eine konsequente Verkehrsmodellierung ist die Antwort der Planer. Will heißen: Gut verbundene Hauptachsen leiten den Durchzugsverkehr unmittelbar um die Innenstadt. Mit der Eröffnung der Kerntangente Nord über die Traisen steht dieser „innere Ring“ um die Altstadt nun weitgehend. Weil die Aufnahmefähigkeit von Praterstraße und Co. aber längst am Limit ist und das Mehr an Verkehr irgendwohin muss, ist ein „äußerer Ring“ um die Stadt fester Bestandteil des Konzeptes. Erst damit gelingt die Entlastung von Grätzln und Wohnvierteln, wo in der Folge „Lebensraumachsen“ für Radfahrer, Fußgänger und Öffis gedeihen können. Etwa in der Kremser Landstraße, wo sich die „gefühlte Innenstadt“ sukzessive über den Bahnhofdurchgang bis zum Klinikum erweitern wird.

Einen „Paradigmenwechsel“ sieht Kurt Rameis in der Forcierung des nicht motorisierten und öffentlichen Verkehrs. Immerhin outete eine Erhebung der TU Graz noch im Jahr 2012 St. Pölten als Stadt der Benzinbrüder und -schwestern: Rund zehn Prozentpunkte unter anderen Landeshauptstädten lag der Anteil des Rad- und Geh-Verkehrs. Was nach Jens de Buck weniger an den Einwohnern und mehr an der Struktur der Stadt liegt: „St. Pölten ist flächenmäßig ein Riese mit einer breiten Randzone an eingemeindeten Dörfern wie Spratzern, St. Georgen oder Viehofen. Das macht die Distanzen für Radfahrer teils lang.“ Fahrradfreundlichkeit wird sich dennoch in weiteren Fahrradanteil umsetzen, ist Rameis überzeugt: „Wo wir im alternativen Verkehr gute Qualität bieten und die zudem flott präsentieren, wird die auch angenommen: Das hat neben der Westbahnstrecke der LUP gezeigt, wo das Passagieraufkommen von 2,2 auf 5 Millionen im Jahr gestiegen ist.

Brachflächen als Zukunftsareale

Wichtige Voraussetzungen für eine positive Verkehrs-Zukunft am Standort stimmen: Neben der Expansion an den Rändern eröffnen immense innerstädtische Brachflächen wie das Glanzstoff-Areal oder die Kopal-Kaserne Perspektiven für eine qualitätsvolle Verdichtung des Wohn- und Lebensraumes. Die Planungsgemeinschaft mit dem Land bewertet Rameis als „exzellent“. Das wird es brauchen, weil für eine Reihe fix eingeplanter Schlüsselprojekte eine zeitliche Priorisierung durch das Land höchst wünschenswert wäre. Rameis nennt ein Beispiel: „Durchzugsverkehr aus der Josefstraße wird sich erst dann zur Mariazellerstraße verlagern lassen, wenn die wieder von der S34 im Westen entlastet ist!“

RING UM DAS STADTZENTRUM
Europaplatz > Bundesstraße B1, Untertunnellung beim Landhaus > Kreisverkehr Stattersdorfer Straße > Wiener Straße > Kerntangente Nord > Daniel Gran-Straße > Praterstraße > Schießstattring > Europaplatz

Die Kerntangente Nord mit der zusätzlichen Traisenbrücke entlang der Westbahn schließt seit November 2016 den inneren Kreis um die Altstadt. Fertiggestellt wurde unter Zeit und unter Kosten: „Die derzeitigen Kampfpreise im Tiefbau kommen uns entgegen!“, merkt Baudirektor Kurt Rameis zufrieden an.

KÜNFTIGER RING UM ST. PÖLTEN
Westautobahn A1 > Schnellstraße S33 Richtung Herzogenburg > West-Tangente St. Pölten > Schnellstraße S34 Richtung Wilhelmsburg > Westautobahn A1

Spange Wörth: Die Verbindungs-Arterie zwischen dem expansiven Betriebsgebiet NOE CENTRAL und der B20 ist bereits seit 2015 für den Verkehr freigegeben.

S34 nach Wilhelmburg: Essenziell für NOE CENTRAL und damit den Wirtschaftsstandort St. Pölten sowie für die Verkehrsentlastung in St. Georgen. Derzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung, danach geht es in die Verhandlungen um die Grundeinlösen. Nach wie vor fix im Projektkatalog der Asfinag eingetragen, realistische Umsetzung in rund 5 Jahren.

West-Tangente St. Pölten: Wird gemeinsam mit der S34 Praterstraße und Mariazeller Straße entlasten und den Verkehr aus dem Nordwesten effizient aufnehmen. Vorerst bis Viehofen, längerfristig bis zur S33 in Herzogenburg projektiert. Die Stadt bemüht sich derzeit, das Land für eine günstige Priorisierung der Tangente zu gewinnen.